Reifen Specht plädiert für Handel ohne feste Bindung

Die Konzentration im Reifenfachhandel ist weiter auf dem Vormarsch – immer mehr Händler schließen sich einer Reifenhandelskooperation der Industrie an. Diese Entwicklung gefällt Rosel Specht, Geschäftsführerin der Reifen Specht Handels GmbH in Freilingen, weniger. Denn sie ist skeptisch, dass die Industrie diese Partnerschaftskonzepte tatsächlich nur als Hilfestellung für den Handel anbietet, damit dieser im härter werdenden Konkurrenzkampf bestehen kann. “Oberflächlich betrachtet hört sich das alles gut an: Da wird den Händlern geeignete Software und Hilfestellung bei vielen Problemen angeboten. Nach meiner Auffassung geht es den Anbietern solcher Konzepte oft vor allem darum, ihre Hausmarke oder so genannte ‚Private Brands’ an den Mann zu bringen”, lautet ihr Urteil. Es sei verständlich, dass manch kleiner Händler sich nur zu gern in die “Obhut” eines starken Partners begebe – zumal das Überleben im Markt heute schwerer denn je und damit die Angst, es alleine nicht schaffen zu können, stets vorhanden sei. So hätten die Anbieter von derartigen Partnerschaftskonzepten leichtes Spiel, weil sie solcherlei Ängste ausnutzten. Schließlich würden sich viele Händler durch die offerierten Hilfestellungen auf der sicheren Seite glauben, ohne zu erkennen, dass sie sich damit in eine Abhängigkeit begeben, die letztendlich mehr Nach- als Vorteile bringe. Die Westerwälder Unternehmerin Rosel Sprecht spricht sich deshalb gegen diese Art der Bindung aus. Sie setzt vielmehr auf den “mündigen Händler”, der ihrer Meinung nach durchaus in der Lage ist “sich aus einer Vielzahl von Angeboten von regionalen und überregionalen Großhändlern täglich seine Reifen aus ganz Deutschland und auch aus Benelux kostengünstig und schnell zu beschaffen”. Ganz uneigennützig ist diese Ansicht freilich nicht, denn seit mehr als 20 Jahren betreibt die Specht-Geschäftsführerin selbst ein Reifengroßhandelsunternehmen. Für sie stehen aber ganz andere Faktoren in punkto Kundenbindung im Vordergrund: kompetenter und guter Service, ein breit gefächertes Angebot vom Low Cost-Segment bis hin zu Premiummarken sowie nicht zuletzt geschultes Personal, das für die Beratung der Kunden stets zu Verfügung steht. Als ganz wichtig bewertet sie jedoch, dass das, was über die Preislisten angeboten wird, auch tatsächlich sofort ab Lager lieferbar ist – Lieferzuverlässigkeit lautet hier also die Prämisse. Über das Angebot der Freilinger können sich Besucher der Reifenmesse in Halle 3 informieren. Mit am Stand von Reifen Specht wird übrigens auch ein Softwarepaket der Firma BOG Informationstechnologie & Services aus Münster vorgestellt, das nicht nur den Bereich Reifenhandel abdecken, sondern sich auch für den Kfz-Teilehandel einsetzen lassen soll. “Das ist von besonderer Bedeutung, da bekanntlich viele Reifenhändler auch Reparaturen anbieten, um in Zeiten außerhalb der Saison über die Runden zu kommen”, so Specht. Im Rahmen der Messe können sich interessierte Händler über das Programm und den Umgang damit informieren, und selbst bei einer späteren Entscheidung für diese Software – und auf diese Feststellung wird besonderer Wert gelegt – entsteht keinerlei Bindung an das Unternehmen. Das ist eine Art der Zusammenarbeit, wie sie sich Rosel Specht vorstellt. “Jeder Händler kann unsere Leistungsfähigkeit einem Test unterziehen, indem er prüft, ob das, was auf der Preisliste steht, auch jederzeit verfügbar ist.” Denn mit Zuverlässigkeit binde man Kunden und nicht mit einem “fragwürdigen Partnerschaftskonzept, das freie Unternehmer zu Befehlsempfängern” mache.

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