25 Jahre Top Service Team

Unter dem Dach der Team-Kooperation haben sich die bedeutendsten regionalen Reifenhändler Deutschlands im Jahr 1977 zusammengefunden. Im Verlauf der Jahre konnte sich die Kooperation dann weiter gut entwickeln, zu der 1998 mit Reifen Prüssing, ESKA Reifendienst und Reiff/Reutlingen zunächst die letzten Gesellschafter kamen. In der Anfangsphase ist Team lediglich als “Bonus-Club” gesehen worden, der seine Umsätze koppelte, um die Haus- und Hoflieferanten zu noch besseren Konditionen wie Sonderrabatten zu veranlassen. Der Erfolg von Team, das stellte Gründungsmitglied Hans Emigholz im Gespräch mit Helmut Werner, der damals General Manager der Uniroyal und später Vorstandsvorsitzender der Continental wurde, klar heraus, veranlasste weitere Reifenhändlerkollegen, sich mit Gründungen ähnlicher Kopperationen, namentlich point S und VRG, dieser Entwicklung anzuschließen. Emigholz sieht rückblickend die Gründung von Team als Garantie dafür an, dass er und seine Kollegen so erfolgreich im Markt bleiben konnten. Chancengleichheit gegen große nationale und herstellerabhängige Handelsketten hätte es ansonsten kaum geben können. Man habe, so Emigholz, mit Team ein gemeinsames Dach unter Beibehaltung der Individualität und Unabhängigkeit der einzelnen Gesellschafter geschaffen. Obwohl es viele Bedenkenträger gegeben habe, sei es möglich gewesen, alle Hürden überspringen zu können, um letztlich so den Beweis zu erbringen, dass der vor 25 Jahren eingeschlagene Weg richtig war. Helmut Werner, Reifen- wie Automann, verstand es wie stets, seine Sicht der Dinge exzellent darzulegen. Die Reifenindustrie habe 1977 auf Amerika geschaut und gesehen, dass die Herstellerketten immer bedeutungsvoller geworden seien. In England sei die Entwicklung ähnlich verlaufen und man habe durchaus Grund gehabt, eine solche Entwicklung auch für den deutschen Reifenersatzmarkt befürchten zu müssen. Die Gründung von Team habe er durchaus kritisch gesehen zu einer Zeit, als das quantitative Wachstum sich dem Ende genähert habe. Die Gründung von Team habe durchaus für etwas Unruhe in der Industrie gesorgt, denn die “Marketinghoheit des Gesamtproduktes” habe man in Gefahr gesehen. Andererseits sei man aber aus guten Gründen offen gewesen, weil man den “regionalen Platzhirschen ja viele Reifen verkaufen” wollte. Rückschauend konnte Werner aber sehr zur Genugtuung der ca. 800 Gäste feststellen, dass der Glaube, die Finanzkraft von Konzernen reiche aus, um sich mit allen unternehmerischen Elementen erfolgreich messen zu können, als Irrglaube erwiesen habe. Werner ging auch auf ein paar heiße Themen der Gegenwart ein. So sei die Beendigung der GVO ein schwerer Fehler, der im Wettbewerb zu nichts führen könne. Die großen Anbieter bzw. Hersteller von Autos der gehobenen Klassen würden, so sieht es Werner voraus, in großen Städten und Ballungsgebieten eigene Verkaufsniederlassungen eröffnen, sich in kleineren Großstädten mit guten und kompetenten Partnern aus dem Autohandel zusammentun. Auf dem flachen Land werde man die Verlierer dann sehen können. Während aber Hersteller wie Porsche, Mercedes und BMW weniger betroffen seien, sei die Situation für Massenhersteller ohne Markenbotschaft weitaus problematischer. Es könnte so zu Lieferungen von allen Seiten kommen mit der Folge, dass der Mittelstand aus dem Geschäft gedrückt werde. Eine solche Entwicklung sei aber wohl selbstverständlich unerwünscht und es bleibe zu hoffen, dass Wettbewerbskommissar Monti letztlich weniger Muskeln habe als es derzeit scheine. Im Nutzfahrzeugbereich sei die Situation noch verwirrender und nach Werners Überzeugung noch weniger durchdacht. Eine erste, zweite und dritte Ebene wie bei Personenwagen gebe es nicht. Einer Ausdehnung von Team über deutsche Grenzen hinweg erteilte Emigholz senior eine klare Absage, weil sich nach seiner Ansicht damit kein Vorteil für die Gruppe oder die Gesellschafter ergibt. Stattdessen will Emigholz den Servicegedanken noch weiter unterstrichen sehen und auch Kooperationen – stellvertretend für anderes wurde die Bandag-Fleet genannt – pflegen. “Wäre ich Reifenhändler” – so Helmut Werner -, dann stünde der Markengedanke ganz weit vorn. Wir haben bei DaimlerChrysler in Stuttgart Milliarden in Fabriken investiert und tun es immer wieder, aber es ist letztlich doch alles nichts gegenüber dem Wert unserer sehr starken Marke. Ich war immer ein Markenmensch, das Anlagevermögen ist nett und doch nichts, der kapitalisierte Markenwert zählt.” Hans Emigholz machte die Zuhörer mit ein paar Gedanken vertraut, wie er sich eine bessere Reifenwelt vorstellen könne: “Die Industrie sollte uns nicht mit eigenen Handelsketten stören, wir als Händler sollten die Finger von Marken lassen, die so gerne bei Jobbern abgesetzt werden und, last but not least, wir sind nur stark, wenn das Motto ‚Gemeinnutz geht vor Eigennutz’ auch in Zukunft beherzigt wird.” Doch dieses Motto steht auf dem Papier, auch ein rechtschaffener Mann wie Hans Emigholz, der seine Worte mit Bedacht wählt und daran glaubt, wird wohl erkennen und anerkennen müssen, dass diesem Motto Grenzen gesetzt sind. Gerade die Gesellschafter von Team verhalten sich, glaubt man vielen Stimmen der Industrie, gerade nicht danach. Es geht ihnen zunächst einmal darum, für sich selbst den größten Nutzen herauszuschlagen und die Zentrale kann sehen, wo sie denn bleibt. Im Grunde ist dagegen im Übrigen auch wenig zu sagen. Der einzelne Team-Gesellschafter steht in voller Verantwortung für seinen eigenen Betrieb. Die Kooperation ist dabei Mittel zum Zweck und nicht umgekehrt. Dass Gemeinnutz vor Eigennutz gehen soll, hört sich ganz gut an, ist aber im Wettbewerbskampf schwer umsetzbar und auch nur sehr schwer vermittelbar. Die Zukunft braucht Unternehmer Viel wurde an diesem Festtag über Zukunft geredet. Wer das tut, muss die Gegenwart analysieren und die Vergangenheit in Erinnerung rufen. Als Gastredner tat dies der ehemalige CDU-Arbeitsminister Dr. Norbert Blüm. Ihm gelang es, in einem humorvollen und dennoch oft tiefsinnigen Vortrag die letzten 100 Jahre nicht allein schnell Revue passieren zu lassen, sondern die “Highlights” zu unterstreichen. So ging es schnell über den Kriegsbeginn 1914 zum Beginn der Hitler-Diktatur im Jahr 1933, über 1939 bis 1945 bis hin zur Teilung Deutschlands im Jahre 1949 und dem Mauerbau im Jahr 1961. Das eigentliche Highlight aber war dann die deutsche Vereinigung, mit der zu diesem Zeitpunkt kaum jemand habe rechnen können. Blüm ließ mit humorigen Worten Erinnerungen an Herbert Wehner wach werden (er bezeichnete den Abgeordneten Wohlrabe als “Übelkrähe” bzw. den Abgeordneten Todenhöfer als “Hodentöter” und bescheinigte Dr. Rainer Barzel die Notwendigkeit eines “Ölwechsels nach jeweils 1.000 Worten”), aber auch an Schwergewichte wie Strauß, Schmidt, Brandt und natürlich über allen Dr. Konrad Adenauer. Ginge es nach ihm, Blüm, so müssten die Abgeordneten heute zunächst einen Beruf nachweisen und die Fähigkeit, einen solchen auch erfolgreich ausüben zu können. Statt dessen aber sehe man immer mehr Universitätsabgänger den direkten Weg zur Politik nehmen. Blüm wetterte gegen den Pessimismus, gegen Jammerei, weil sich an Klagemauern keine Zukunft schaffen lasse. “Wäre Jammerei eine olympische Disziplin, so wäre Deutschland die Goldmedaille sicher. Nachdem Blüm an all den berühmten Gestalten deutscher Politik der letzten 100 Jahre noch einmal, wie er sagte, “Maß genommen hatte”, steuerte er auf den letzten Teil seiner Rede zu und geißelte die stromlinienförmig auftretenden Politiker, die viel reden und nichts sagen, vornehm tun und zum Beispiel aus einer einfachen Lagerhalle eine “Logistik-Immobilie” machen, aus Mama und Papa die “Bezugspersonen”. Blüm: “Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben eben nicht alle denselben Horizont.” Er bemängelte, dass niemand, wenn die guten alten Zeiten wieder herauf beschworen werden, darauf aufmerksam mache, dass man vor 100 Jahren so gerade mal 50 Jahre alt wurde, heute aber so in etwa 75 Lebensjahre und mehr auf dem Buckel habe. Ob denn früher auch “fröhlicher gestorben” worden wäre, wollte Blüm wissen. Man könne nicht vom Staat alles verlangen, sich nicht nur darüber streiten wollen, ob es einen Rezeptanspruch für Heftpflaster geben solle oder nicht. Bei allen Herausforderungen, die die Globalisierung so mit sich bringe, ist Blüm ganz sicher, dass es reichen wird, der Stärke der Großen die Schnelligkeit der Kleinen entgegenzusetzen. Geschäftsführer begeht kleinen Fehler Es war sicher gut gemeint, dass der neue Geschäftsführer Heinz-Jürgen Schönfeld es für richtig befand, vor Beginn der großen Gala seine Mannschaft vorzustellen. Standen da nun 20 oder 21 Menschen auf dem Podium? Wer hatte die Übersicht? Es sollen wohl 20 gewesen sein, zwei weitere sind krank. Damit hatte der bunte Abend an vielen Tischen ein feines Thema gefunden: Wofür brauchen wir so viele Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle? Was kosten die uns? Wozu so viele Mitarbeiter für die Buchhaltung, für GVA? Wer meint, diese Darstellung sei etwas überzogen, hätte die Diskussionen am nächsten Tag an ein paar Frühstückstischen hören sollen. Geschäftsführer Schönfeld hat hier ein Thema präsentiert, das er nicht präsentieren wollte, das ihm aber vermutlich noch lange nachlaufen kann. Schade nur, dass die Vorgänger des jetzigen Team-Geschäftsführers, Wölbling und Schäfer, kaum eine Rolle spielten. Wer erinnerte sich ihrer? Eigentlich ein wenig erschreckend.

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