Zum Abschied von Fritz Reupert

Fritz Reupert ist am 30. September 1940 in Wittmund geboren worden. Ihm ist das Glück zuteil, sich um seine noch lebende Mutter kümmern zu dürfen und mit ein- und derselben Frau seit 36 Jahren verheiratet zu sein, mit der er zwei längst erwachsene Töchter hat. Er drückt sich nach wie vor gern in seiner ostfriesischen Muttersprache aus, aber vor allem die schriftliche wie mündliche Kommunikation in der zweiten Sprache, dem Hochdeutschen, lassen keine Wünsche offen. Wer mit ihm beruflich oder privat zu tun hat, braucht keinen Kompass. Die von Reupert vorgegebene Linie war stets klar und unmissverständlich. Ein Reupert schrieb keinen Brief ohne Inhalte wie er sich auch nicht an den heutzutage gängigen Präsentationen zu berauschen wusste, die so herrliche Zukunftsbilder an die Wand projizieren, dass man durchaus bedauern könnte, die so aufgezeichnete Zukunft nicht und niemals erleben zu können. Ein Ostfriese mag manchmal spröde sein, jedenfalls ist er bodenständig, meint, was er sagt und verspricht nur, was sich nach bestem Wissen und Gewissen auch umsetzen lässt. Vor allem hat er, was man auf Anhieb nicht vermutet: tiefsinnigen Humor! Sich selbst in Frage stellen und bei Bedarf auf die Schippe nehmen zu können, ist eine Fähigkeit der in sich ruhenden Persönlichkeiten, derer die etwas geleistet haben statt permanent nur vorgeben müssen, noch was leisten zu wollen. Fritz Reupert ist einer der noch verbliebenen wenigen im Markt, deren Wort allein genügte. Eine Zusage von ihm brauchte nicht schriftlich bestätigt zu werden. Dass es sich ein Konzern wie Continental meint leisten zu können, einen so leistungsfähigen und leistungswilligen Leitenden Mitarbeiter wie Fritz Reupert in den vorzeitigen Ruhestand schicken zu können, ist so erstaunlich, dass es selbst den Kunden des Hauses nicht leicht zu vermitteln ist. Die Beschäftigung mit den kleinen wie großen Landwirtschaftsreifen kam eher zufällig; oder auch nicht. Wer in Ostfriesland in den 50-er Jahren wohnte, hatte beruflich nicht allzu viele Perspektiven. Reupert landete bei einem Landmaschinenhändler, weil er den Weg von zu Hause dorthin täglich zu Fuß bewältigen konnte. Nach erfolgreichem Lehrabschluss hängte er den Gesellenbrief als Landmaschinenmechaniker an den Nagel und trat als Verkäufer in die Dienste der Aral AG. Im Herbst 1968 ergab sich die Chance, als Gebietsverkaufsleiter zu dem jedenfalls damals sehr erfolgreichen Reifenhersteller Kleber wechseln zu können, für den er zuletzt dann einige Jahre als Verkaufsleiter für Landwirtschaftsreifen tätig war. 1987 erfolgte dann aus privaten Gründen der Wechsel zu Continental. Für Kleber hätte er, nun seit Jahrzehnten in Braunschweig beheimat, an die Saar ziehen müssen. Conti suchte händeringend einen Fachmann mit Kenntnissen für Landwirtschaftsreifen und fand Reupert. In dieser Zeit glänzte der hannoversche Reifenhersteller mit sehr vielen diagonalen Reifendimensionen, die neuen, modernen und zukunftsweisenden radialen Treibradreifen aber fehlten. Schritt für Schritt gelang der Aufbau, weg von der One-Man-Show bis hin zu einem eigenständigen Geschäftsbereich mit fester Marktverankerung im deutschen wie europäischen Markt. Obwohl er “nur” anderthalb Jahrzehnte im Dienste der Continental stand und kein in der Wolle gefärbter Continentäler ist, der zu allem ja und amen sagt, verkörpert er dennoch in besonderer Form ein besonderes Stück Continental. Verlässlich, konsequent, loyal und auch kritisch. Ein Mann mit einer eigenen Meinung, die er zudem auch in kritischeren Situationen artikulierte. Der ehemalige Generalbevollmächtigte des Konzerns, Helmut Gieselmann (58), brachte es gegenüber dieser Zeitung auf den Punkt: “Der Mann hat Charakter!” klaus.haddenbrock@reifenpresse.de

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