Viborg-Gruppe verfehlt in Deutschland die selbst gesteckten Ziele

Mag schon sein, dass Pirelli nicht mehr so zielgerichtet wie bisher den Weg mit Viborg gehen möchte und das Engagement einfach zu teuer geworden ist, denn der Däne Nielsen verlangt eine extreme preisliche Bevorzugung für eine intensive Zusammenarbeit und kann dabei nicht immer die erwarteten Stückzahlen realisieren. Es kommt hinzu, dass bisher diese Geschäfte zwischen Francesco Gori und Bent Nielsen direkt und diskret abgewickelt worden sind. Nachdem Gori aber zum Chef des gesamten Reifengeschäftes aufgestiegen ist und sich nicht mehr so intensiv wie bisher selbst um diese Geschäftsbeziehung kümmern kann, läuft der Motor wohl stockend. Man kann nur mutmaßen, dass es an “Schmiermitteln” fehlen mag. Allerdings sind die Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen auch nie so umfangreich gewesen wie sie öffentlich wahrgenommen wurden. Es bietet sich an, die Industrie tut dieses sowieso seit Jahren, die Betrachtungen auch im Handel zu unterteilen in eine Pkw-Division (Personenwagen-, 4×4- und Lieferwagenreifen) sowie in eine Lkw-Division. Danach wollte die Viborg-Gruppe mit ihren rund 300 Betrieben in Deutschland in der Pkw-Division etwa 3,1 bis 3,2 Millionen Reifen, unterteilt nach 1,7 Millionen Sommerreifen inklusive Allwetterreifen, 1,3 Millionen Winter- sowie 0,2 Millionen 4×4- und Van-Reifen, verkaufen. Für eine Betrachtung des Winterreifengeschäfts ist es momentan noch zu früh. Es kann allerdings als sicher unterstellt werden, dass die ohne Einbeziehung von Winterreifen ambitiöse Zahl von immerhin 1,8 Millionen Reifen deutlich verfehlt werden wird. Und ob das Winterreifengeschäft gegenüber dem Vorjahr so deutlich besser sein wird, muss angesichts teilweiser frühlingshafter Temperaturen im Dezember bezweifelt werden. Die – nach Stückzahlen – wichtigsten Marken sind mit jeweils etwa 300.000 Reifen Michelin und Fulda, während Dunlop, Kleber mit etwa jeweils 170.000/180.000 Reifen schon dicht hinter den etwa 200.000 bis 220.000 Reifen von Pirelli folgen. Die Marke Goodyear vermochte offensichtlich nur wenige Allwetterreifen abzusetzen, soll aber bei Winterreifen erfolgreicher gewesen sein. Die Marke Goodyear hält im Großen und Ganzen an ihrer Preisdisziplin fest. Bezieht man alle Billigmarken und Private Brands mit ein, so dürfte die Michelin-Gruppe nach Stückzahlen einen Anteil von rund 40 Prozent haben, die Goodyear-Gruppe überspringt ganz deutlich 30 Prozent, erreicht möglicherweise gar 32 Prozent, während Pirelli bei immerhin noch mehr als 12 Prozent gelandet sein dürfte. In jedem Fall verbleiben so weniger als 15 Prozent der Stückzahlen “zur freien Verfügung”. Und genau das macht es Nielsen zunehmend schwerer, mit Großkonzernen wie Continental oder Bridgestone erfolgreich zu verhandeln, weil diese wissen, dass es im Wesentlichen sowieso nur um “Muss-Umsätze” gehen kann, die dann aber nicht besonders vergütet zu werden brauchen. Erwähnenswert ist auch, dass die Goodyear-Gruppe erstaunlich nahe an den Stückzahlen der Michelin-Gruppe liegt, doch liegen zwischen den Erlösen Welten. Nicht allein, dass Fulda-Reifen mindestens so günstig verkauft worden sind wie die von Kleber, sondern hinter vorgehaltener Hand wird immer wieder kolportiert, Dunlop kaufe sich mit aggressiven Preisen im Bereich der High-Performance-Reifen Marktanteile bei Viborg. Auch im Bereich der Nutzfahrzeugreifen findet sich eine ähnliche Lieferantensituation wie bei Pkw-Reifen. Ursprünglich hatten die Viborg-Manager mal für 2001 von einem Absatz von 250.000 bis gar 300.000 großen Lkw- und Tiefladerreifen geträumt, doch sind sie inzwischen von der Realität eingeholt worden. Man wird die Marke von 200.000 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verfehlen. Der Anteil der Marke Michelin dürfte bei rund 40 Prozent liegen, während die Michelin-Gruppe etwa 50 Prozent erreichen kann. Die Goodyear-Gruppe liefert etwa 35 Prozent, wovon wiederum mehr als die Hälfte den Markennamen Fulda auf der Seitenwand trägt. Für die Marken des Continental-Konzerns und die des Bridgestone-Konzerns sowie alle anderen bleiben rund 15 Prozent. Das wird Viborg auf Dauer kaum durchhalten können, denn insbesondere in Deutschland sind die Marken Continental und Bridgestone sehr gut vertreten. Beide Reifenmarken können sich auf eine ausreichende Zahl von Vermarktern in Deutschland stützen und sind nicht gezwungen, auf Viborg zurückgreifen zu müssen. Es ist somit zu erwarten, dass das Nutzfahrzeugreifengeschäft von Viborg im kommenden Jahr unter großen Druck kommen wird, weil Viborg sich im Wesentlichen auf Michelin stützen muss und Continental wie Bridgestone gegen sich hat. Mögen die Pirelli-Zahlen bei Viborg 2001 auch rückläufig gewesen sein, so liegen sie dennoch sehr deutlich über dem allgemeinen Marktanteil der Marke Pirelli. Die Michelin-Gruppe trägt nach hier vorhandener Überzeugung viel zur Finanzierung von Viborg bei, ohne jedoch an diesem Unternehmen beteiligt zu sein. Der europaweiten Viborg-Gruppe werden die Franzosen wohl oder übel einen Kreditrahmen in dreistelliger Millionenhöhe einräumen müssen, was man von Goodyear kaum wird sagen können. Dieser Konzern arbeitet vor dem Hintergrund knapper finanzieller Ressourcen lieber mit Vorzahlerrabatten, was weitere Gänge zu Banken entbehrlich machen soll.

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