Werk St. Ingbert wird vollständig aufgegeben

Die Kleber Reifen GmbH, eine Tochtergesellschaft des Michelin-Konzerns, stellt die Produktion von Halbfertigprodukten für Reifen am Standort St. Ingbert zum 30. Juni 2002 ein. Bereits vor Jahren hatte Kleber die Fertigung von Pkw- und AS-Reifen an diesem Standort aufgegeben und schließlich auch den Unternehmenssitz nach Karlsruhe verlegt. Die Produktionsstilllegung, die im Rahmen einer europaweiten Strategie zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Michelin-Konzerns beschlossen wurde, führt zum Verlust von rund 200 Arbeitsplätzen. Die Werksleitung hat dem Betriebsrat vorgeschlagen, gemeinsam einen Transfer-Sozialplan zu erarbeiten. Dessen Umsetzung soll wirtschaftliche Nachteile für die betroffenen Mitarbeiter mildern und möglichst vielen der bisherigen Kleber-Beschäftigten neue Arbeitsplätze vermitteln. Die Chancen dafür stehen gut, da die Mitarbeiter in der Regel gut qualifiziert sind. Ziel eines Transfer-Sozialplans ist eine professionelle und individuelle Hilfe bei der Stellensuche. Die Basis für diesen neuen Weg, notwendige Strukturanpassungen auch im Interesse der Beschäftigten zu gestalten, ist eine 1998 geschlossene Vereinbarung zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAGVC). Anders als der klassische Sozialplan setzt der Transfer-Sozialplan nicht in erster Linie auf Abfindungen, sondern investiert einen Teil der vom Unternehmen bereitgestellten Mittel in die Sicherung der beruflichen Zukunft der Mitarbeiter. Der Aufwand liegt für das Unternehmen beim Transfer-Sozialplan auf einem vergleichbaren Niveau, die Beschäftigungswirkung ist jedoch ungleich höher. Die Geschäftsleitung der Kleber Reifen GmbH hat deshalb dem Betriebsrat vorgeschlagen, ein externes Beratungsunternehmen zu beauftragen, das auf Transferlösungen für betriebsbedingt gekündigte Arbeitnehmer spezialisiert ist. Durch enge Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern und möglichen Arbeitgebern in der Region soll eine hohe Vermittlungsquote erreicht werden. Die Michelin-Strategie zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit wurde im Jahr 1999 bekannt gegeben. Ziel dieser Strategie ist es u.a., durch größere und stärker spezialisierte Werke die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Kosten auf ein konkurrenzfähiges Niveau zu senken. Als Teil dieser Strategie wurde nach vielen eingehenden Studien die Entscheidung gefällt, die Kleber-Produktion im Werk St. Ingbert einzustellen. Das Kleber-Werk in St. Ingbert stellt derzeit noch vor allem Gummimischungen und Textilcord für die Pkw-Reifenproduktion im In- und Ausland her. Trotz deutlicher Verbesserungen der Produktivität und einer Senkung der Produktionskosten in den vergangenen Jahren sei es – so Muttergesellschaft Michelin – nicht gelungen, ein konkurrenzfähiges Niveau zu erreichen. Die Gründe dafür würden vor allem in der geringen Größe des Standorts liegen, die zu einem unverhältnismäßig hohen Anteil an Fixkosten führt. So liegen die Produktionskosten bei den Mischungen aus St. Ingbert erheblich über dem westeuropäischen Niveau innerhalb der Michelin-Gruppe. Hinzu kommen Überkapazitäten von etwa 100.000 Tonnen pro Jahr in Europa. Beim Textilcord leidet St. Ingbert unter einem geographisch bedingten Nachteil: Die Entfernung zwischen den Hersteller- und den Verbraucher-Standorten in Europa ist sehr groß, was zu außerordentlich hohen Logistikkosten führt. Bereits seit einigen Jahren vermietet Kleber nicht genutzte Teile des Geländes an externe Firmen. Um das Potenzial der ausgedehnten Flächen in Zukunft noch besser zu nutzen, wurde 1999 gemeinsam mit der Stadt St. Ingbert das Projekt „Kleber-Park“ aus der Taufe gehoben. Ziel dieses Projektes ist es, ein voll erschlossenes Gewerbegebiet zu schaffen und dadurch neue Investoren anzuziehen, um die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der Region zu fördern.

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