Concorde soll mit Michelin-Reifen wieder in die Luft gehen

Die immer wieder gestellte Frage während der Pressekonferenz lautete, ob denn der Crash der Concorde nahe Paris hätte vermieden werden können. Und die Antwort von Desmarets war auch stets dieselbe. Man wolle nicht zurückschauen, sondern in die Zukunft. Doch die unausgesprochene Botschaft war: Selbstverständlich wäre es zu diesem Crash nicht gekommen, weil sich der Michelin-Reifen nicht so auflösen kann, dass harte Brocken mit Leichtigkeit die Wände der Treibstofftanks durchschlagen können. Michelin ist seit 18 Monaten in der Entwicklung und Erprobung des NZG-Reifens, der mit verstärkten Materialien hergestellt wird, die die Reifen weitaus widerstandsfähiger gegen Verletzungen und zudem noch leichter als herkömmliche Reifen machen. Diese „revolutionäre neue Technik“ sollte ursprünglich im Verlauf der kommenden beiden Jahre vorangetrieben werden. Der Concorde-Crash nahe Paris beschleunigte die Entwicklung dann aber, weil die EADS (Erbauer des Flugzeugs) alle wichtigen Reifenhersteller kontaktierten um zu erfahren, ob und ggf. welche Lösungen man bieten könne. Das veranlasste Michelin sodann, EADS mit der NZG-Technologie vertraut zu machen. Man habe natürlich gewusst, dass die Concorde nur dann eine Chance habe, wieder in die Lüfte gehen zu können, wenn man schnell handele und schnell Lösungen finden könne. EADS beauftragte Michelin, in der kürzestmöglichen Zeit einen Reifen zu konstruieren, der den Erfordernissen der Concorde gerecht werde. Obwohl Michelin Forschung und Entwicklung immer mit Nachdruck betreibt, ist in diesem besonderen Fall weitaus mehr geschehen als ursprünglich geplant war. Doch die Mobilisierung aller freien Kräfte hat sich schließlich ausgezahlt. Gemeinsam mit EADS ist seither ein Testprogramm abgespult worden, in dem auch die Umstände des Concorde-Unfalls sowie andere denkbare Gefahren simuliert wurden mit den erhofften Ergebnissen. Zum Schluss sind die Michelin-NZG-Reifen im Probestart und Probeflug im tatsächlichen Einsatz auf einer Concorde in Istres unter nachgestellten Gefahrenmomenten getestet worden. Ergebnis: Klar zum Einsatz. Achtzehn Monate nach der Erfindung und gerade acht Monate nach der offiziellen Anfrage durch EADS konnte Michelin die Lösung liefern. Hinsichtlich der technischen Einzelheiten hielten sich die Ingenieure sehr zurück, denn die Patentierungsphase läuft noch und es ist somit schon aus rechtlichen Gründen nicht ratsam, allzu viel über Technologie und Materialien öffentlich zu sagen. Das werde zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Die Vorstellung des neuen Flugzeugreifens stößt nicht nur in Frankreich auf großes Interesse. Mit der Concorde sind große Emotionen verbunden. Der Hersteller möchte, dass sie wieder in die Lüfte geht, Air France und British Airways wollen es ebenso und große Teile der Öffentlichkeit in Frankreich ohnehin. Flugzeugreifen sind unglaublichen Anforderungen ausgesetzt. Die Concorde beschleunigt in 45 Sekunden von 0 auf 440 km/h und bei der Landung beschleunigen die Räder von 0 auf 290 km/h innerhalb einer Sekunde, wobei jedes Rad tonnenweise Gewicht tragen muss (Beispiel Airbus A 320 pro Reifen 18 Tonnen). Michelin ist der Hauptlieferant bei Airbus. Aber auch auf neueren Boeing-Modellen und insbesondere der Boeing 777 finden sich Michelin-Reifen.

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