Neue Continental-Produktfamilie für Allrad- und Freizeitfahrzeuge

Wenn die beiden Stichworte 4×4-Reifen und Continental fallen, verbindet man in Europa damit meist spontan die 1915 in Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina) gegründete amerikanische Tochter General Tire des hannoverschen Reifenherstellers, die seit 1987 zu dem deutschen Konzern gehört. Denn neben Reifen für Pkw, Lkw und industrielle Einsätze auf dem amerikanischen Markt hat sich General in unseren Breitengraden vor allem mit Spezialreifen für Geländefahrzeuge hervorgetan – beispielhaft Straßen wahrscheinlich ist. Grund für diese Entwicklung ist der Studie zufolge – neben der hohen Variabilität der Wagen – der Trend zu Freizeitfahrzeugen (SUV = Sport Utility Vehicles). Obgleich der Allradantrieb ursprünglich für Militär- und Expeditionsfahrzeuge sowie für die Landwirtschaft entwickelt wurde, sind 4×4-Fahrzeuge seit Beginn der 90er Jahre nicht mehr aus dem Straßenverkehr wegzudenken. Die Automobilindustrie hat sich dieser Entwicklung angepasst, und Wagen wie der Honda CR-V oder der Land Rover Freelander zeugen von dem Trend, ebenso wie der neue BMW X5 oder die Mercedes M-Klasse. Als folge dieser Entwicklung geht man im Hause Continental denn auch mit einem in den nächsten Jahren weiter steigendem Absatz von 4×4-Reifen aus: “Der Markt wird deutlich wachsen,” erklärt Dirk Gentgen, Marketingleiter Pkw-Ersatzgeschäft Europa, die Motive der Hannoveraner auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Bei der neuen Conti-Modellfamilie handelt es sich aber nicht um Pneus für den schweren Geländeeinsatz – dieses Segment bleibt weiterhin General Tire vorbehalten. Vielmehr orientierte man sich bei der Reifenkonstruktion und dem Profildesign an den Nutzungsgewohnheiten der Fahrer: Stadt- und Landstraßenfahrten sowie hohe Geschwindigkeiten auf Autobahnen sind der Haupteinsatz moderner Geländewagen. Das heißt ein Großteil der Fahrzeuge wird vor allem im On-Road-Bereich eingesetzt, und nur die wenigsten Fahrer bewegen ihre Fahrzeuge – mangels Gelegenheit oder Interesse – auf unbefestigten Straßen und Wegen, sodass auch die aktuellen Wagen auf diese Nutzungsgewohnheiten hin entwickelt sind. ”Mit unseren neuen Reifen für allradgetriebene Fahrzeuge passen wir uns diesem Trend an. Die neuen Continental-Reifen sind in erster Linie für den Straßeneinsatz entwickelt worden. Für Fahrer, die Reifen benötigen, stellt unsere Konzerntochter General Tire traditionell gute Off-Road-Reifen her,” bringt Gentgen die Sache auf den Punkt. “Als wir das Pflichtenheft für den neuen Conti4x4Contact erstellt hatten, war klar, dass wir keinen Reifen mit großen Profilstollen für den Off-Road-Einsatz haben wollten,” so der Marketing-Mann weiter. “Die Anforderungen an die neue Reifenfamilie werden von den Autofahrern bestimmt: Sicherheit im Straßeneinsatz war hier die erste Devise. Doch auch bei Komfort, Abrollgeräusch und der Laufleistung wollten wir keine Kompromisse eingehen. Im Ergebnis orientiert sich die 4×4-Reifenfamilie im Profildesign an Straßenreifen, hält jedoch genügend Traktion für leichten Geländeeinsatz bereit.” Ergo sollten die Pneus auch beim Bremsen und beim Aquaplaningverhalten Bestleistungen vollbringen, damit die häufig mehr als anderthalb Tonnen schweren Wagen sollen in punkto Sicherheit mit normalen Pkw konkurrieren können. Denn nicht zuletzt würden auch Sicherheitsaspekte zur Kaufentscheidung für einen Geländewagen führen, Argumente seien beispielsweise die höhere Position des Fahrers und der damit verbundenen bessere Überblick sowie der Dank meist gedrungener Karosseriekonstruktionen vermeintlich größere Schutz im Falle eines Zusammenstoßes. Analog zu den Nutzungsgewohnheiten und Fahrzeuganforderungen hat Continental allerdings gleich drei Reifentypen entwickelt. Für kompakte bis mittelschwere Fahrzeuge ist der Conti4x4Contact gedacht. Der Conti4x4SportContact ist für schnelle, allradgetriebene Wagen bestimmt, die sportlich ausgelegt sind oder von Tunern veredelt wurden. Da Sommer- oder Ganzjahresreifen unter winterlichen Straßenbedingungen nicht bzw. nur eingeschränkt geeignet sind, kommt für den Einsatz in der kalten Jahreszeit mit dem Conti4x4WinterContact ein spezieller Winterreifen noch hinzu. Die gesamte 4×4-Familie aus Hannover wurde anlässlich der Reifenmesse in Essen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In Europa läuft die Produktion der Pneus schon seit dem zweiten Quartal, im vierten Quartal soll die Fertigung auch in den USA anlaufen. Im Handel sollen die Pneus bereits verfügbar sein. Was aber zeichnet die schwarzen runden Gummis nun im Detail eigentlich aus? Da der neue Conti4x4Contact ein leises, weiches Abrollgeräusch haben sollte, wurden spezielle, dem Vernehmen nach optimal abgestimmte Mischungen aus dem Pkw-Reifenbereich verwendet. Umlaufende Mittelrillen in Verbindung mit den tiefen, zur Reifenschulter weisenden Profileinschnitten sind für die Wasserableitung zuständig, um den Bodenkontakt auch bei Fahrten auf nassen Straßen zu sichern und dem gefürchteten Aquaplaning vorzubeugen. Durch FEM-Berechnungen (Finite-Elemente-Methode), die das Gewicht günstig auf die gesamte Fläche des Reifens verteilen, will man zudem eine verbesserte Bodenaufstandsfläche erreicht haben, was das Abriebverhalten des Reifens und damit die Lebensdauer sowie den Grip verbessere. Guten Geradeauslauf und niedriges Abrollgeräusch des Reifens erreichten die Entwicklungsingenieure nach eigenen Aussagen durch gegeneinander versetzte Profilblöcke, die für Fahrstabilität sorgen und das so genannte “Air-Pumping”, also das Einschließen von Luft zwischen den Profilblöcken, verhindern sollen. Um den Rollwiderstand möglichst gering zu halten, erhielt der 4x4Contact eine Silica-Mischung der neuesten Generation. Diese Technologie soll einen niedrigeren Rollwiderstand und gute Nässeeigenschaften sichern und damit zudem für weniger Kraftstoffverbrauch sorgen. Der neue Conti4x4SportContact wurde demgegenüber als sportlicher Niederquerschittsreifen auf die Anforderungen von schnellen, allradgetriebenen Fahrzeugen entwickelt. “Diese Fahrzeuge haben starke Motorleistungen,” betont Geert Roik, Reifenentwickler von Continental. “Wir haben den neuen Gonti4x4SportContact daher besonders für hohe Geschwindigkeiten entwickelt. Zusätzlich sollte er vor allem straßentauglich sein, da hier der Haupteinsatz von stark motorisierten, allradgetriebenen Fahrzeugen ist.” Um diese Anforderungen zu treffen, erhielt der neue Reifen aus Hannover ein steifes, asymmetrisches Reifenprofil, dessen Mittelrippe für guten Geradeauslauf auch bei hohen Geschwindigkeiten sorgen soll. Die offene Schulter des Reifens ist bei Regenfahrten für die Ableitung von Wasser und damit die Aquaplaningeigenschaften zuständig. Eine hohe Kurvenstabilität des Reifens will Conti durch eine steife Außenschulter erreichen, die – so die Entwickler – gute Handlingeigenschaften auch bei schnell gefahrenen Kurven gewährleiste. Mit seinen 60 Profilklötzen in der Außenschulter und 74 Profilklötzen in der Innenschulter garantiere der sportlichste Pneu der neuen 4×4-Palette außerdem einen sehr leisen Lauf. Den 4x4WinterContact versteht Conti als Spezialisten für allradgetriebene Fahrzeuge, die im Winter bewegt werden. Um beste Aquaplaningeigenschaften und niedrigen Rollwiderstand zu gewährleisten, ist er als Silica-Reifen ausgeführt, und das asymmetrische, nicht laufrichtungsgebundene Profil wurde für den nötigen Grip gewählt, um auf nassen Straßen im Winter genug Haftung und gute Nässeeigenschaften zur Verfügung zu stellen. “Continental ist seit Jahren führend in der Entwicklung von Winterreifen,” sagt Geert Roik. “Nach umfangreichen internen Tests haben wir unsere Erkenntnisse aus der Winterreifenentwicklung vom Pkw-Segment in den 4×4-Bereich übernommen. Das gilt sowohl für die Mischungen, die kälteresistent sein müssen als auch für die Lamellierung, die für den Schnee- und Eisgrip zuständig ist.” Für den Winter-4×4 wurden demnach die neuesten Verfahren aus der Continental-Reifenentwicklung genutzt. Dies gelte auch für die Silica-Mischung, die rollwiderstandsoptimiert sei und durch ihren hohen Anteil an Naturkautschuk genug Flexibilität habe, um Brems- und Seitenführungskräfte bei niedrigen Temperaturen zu übertragen. Dies ist nicht nur beim Fahren auf Schnee und Eis wichtig, sondern auch auf nassen und trockenen Asphaltstrecken. Traktion für das Anfahren und Bremsen sowie für die Kurvenfahrt auf typisch winterlichen Strecken sollen die von Continental patentierten CLS-Lamellen (crossed linked sipes = kreuzförmig verbundene Lamellen) sorgen, während beim Fahren auf nasser oder trockener Straße das asymmetrische, nicht laufrichtungsgebundene Profil den Schutz vor Aquaplaning und komfortablen, leisen Lauf des Reifens sichere. Die drei Neulingen von Continental sind aber gewissermaßen nur die “Vorhut”, denn Dirk Gentgen kündigte in Essen an, dass man in Hannover im Geländewagen-Segment durchaus weitergehende Pläne hat. Mit mit den ersten 4×4-Modellen aus Hannover soll die Marke zunächst einmal in diesem speziellen Bereich aufgebaut werden. Nach den jetzt vorgestellten, mehr oder weniger in die Kategorie On-Road-Pneus gehörenden Reifen sollen zukünftig durchaus auch noch “echte” Off-Road-Reifen von Continental folgen. Bleibt abzuwarten, wie man diese dann wiederum gegenüber General Tire im Markt positionieren will.

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